Hauptversammlung 2002



SINGULUS TECHNOLOGIES AG, Kahl am Main
Hauptversammlung am 27. Mai 2002

Roland Lacher, Vorsitzender des Vorstandes


1. Begrüßung

Sehr verehrte Aktionärin, sehr geehrter Aktionär,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

sehr herzlich begrüße ich Sie heute morgen im Namen des Vorstandes der SINGULUS TECHNOLOGIES AG zu unserer heutigen Hauptversammlung 2002.

Der Vorstand möchte Ihnen heute einen umfassenden Rückblick auf das abgelaufene Geschäftsjahr 2001 geben. Es war das vierte volle Geschäftsjahr als börsennotierte Aktiengesellschaft, in welchem unser Unternehmen als weltweit größter Hersteller von Produktionsanlagen zur Herstellung von Optical Discs seine führende Position nicht nur erneut behaupten, sondern gegenüber dem nächst besten Wettbewerber sogar noch ausbauen konnte.

Es ist mir deshalb ein besonderes Anliegen zu berichten, wie wir die Chancen eines erstmals rückläufigen Marktes maximal wahrgenommen haben, wie wir uns unter den wichtigsten Wettbewerbern heute und morgen positioniert sehen, welche Geschäftsziele wir in der Zukunft verfolgen wollen und was wir für das laufende Jahr 2002 erwarten.


2. Rückblick auf das Geschäftsjahr 2001

Das vergangene Jahr war, was die Konjunktur und den Finanzmarkt betraf, von zunehmend schlechten Nachrichten geprägt. Der zehn Jahre währende Aufschwung der amerikanischen Volkswirtschaft ging zu Ende, der Boom der "New Economy" setzte seine Ende 2000 begonnene Korrekturbewegung beschleunigt fort, und die Herausforderung durch den internationalen Terrorismus erlangte eine neue Dimension.

Eingebettet in diesen Rahmen, erlebte auch unser Markt, der Spezialmaschinenbau zur Herstellung optischer Speichermedien, einen herben Rückschlag. Nach Jahren kontinuierlichen Wachstums stand das Jahr 2001 ganz im Zeichen einer deutlichen Konsolidierung. Dies hatte unter anderem die Insolvenz von zwei Wettbewerbern zur Folge.

In diesem Umfeld konnte sich SINGULUS TECHNOLOGIES erneut als erfolgreichstes Unternehmen unter den Anbietern von Optical Disc-Replikationsanlagen behaupten und seine Marktführerschaft ausbauen.
Gleichwohl nahm im Jahr 2001 der konsolidierte Konzernumsatz um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 225,5 Mio. Euro ab. Dieser drastische Rückgang ist jedoch durch das Ausnahmejahr 2000 als Bezugsjahr verzerrt: Konjunkturbedingt war das Rekordjahr 2000 ein Ausreißer nach oben. Der Markt hatte sich im Jahr 2000 - ähnlich vielen anderen technologiegetriebenen Märkten - in eine aus heutiger Sicht ungesunde Euphorie hineingesteigert.

Diesem Trend hatten wir dadurch Rechnung getragen, daß wir unsere fixen Kapazitäten nur entsprechend der langfristigen Wachstumserwartung ausgebaut haben. Die Spitzen des Produktionszuwachses wurden damals im Jahr 2000 mit Leihkräften und somit zu variablen Kosten abgearbeitet. Diese Vorgehensweise sorgte dafür, daß wir im Jahr 2001 keine Schwierigkeiten mit unterausgelasteten Kapazitäten bekamen. So wurde das vergangene Geschäftsjahr für uns zu einem Jahr der Normalisierung und Konsolidierung. Im Vergleich lag der Umsatz im Jahr 2001 immer noch um 48,2 Mio. Euro und damit deutlich über dem des Jahres 1999 in Höhe von damals 177,3 Mio. Euro.
Die sehr schlanke Kostenstruktur unserer Firma ermöglichte es uns, selbst unter den schwierigen Randbedingungen einer extrem volatilen Nachfrage einen Jahresüberschuß in Höhe von 27,9 Mio. Euro bei einer Netto-Umsatzrendite von 13,1 Prozent zu erzielen. Damit ist es uns gelungen, unsere hohe strukturelle Ertragskraft auch in der Konsolidierungsphase zu erhalten.

Trotz des Rückgangs auf der Umsatzseite sind wir 2001 strategisch mit einigen für unseren langfristigen Erfolg wesentlichen Schritten vorangekommen. Durch Produktinnovationen und strategische Akquisitionen konnten wir im vergangenen Jahr sowohl unser Produktportfolio wesentlich ausbauen als auch unsere strukturelle Ertragskraft erheblich steigern.

Seit mehreren Jahren verfolgen wir die Strategie, bei CD- und DVD-Produktionsanlagen jeweils in allen drei Kernanwendungen mit führender Technik präsent zu sein. Die Kernanwendungen sind die Herstellung von
- bespielten ("prerecorded")
- einmal beschreibbaren ("recordable") und
- mehrfach wiederbeschreibbaren ("rewritable")
CDs und DVDs.

Die letztjährige Markteinführung unserer Maschinen MODULUS und SUNLINE für alle wiederbeschreibbaren Technologien sind bedeutende Meilensteine auf dem Weg zur planmäßigen Erweiterung und Vervollständigung unseres Produktportfolios.

Wir sind aber nicht nur mit den neuen Anlagen in neue Märkte vorgedrungen; parallel dazu haben wir unsere Wertschöpfungskette verlängert. Unser Ziel war und ist es, sie um diejenigen Teile auszubauen, die strategisch wichtig und margenstark sind. Unabhängig davon bevorzugen auch die meisten Kunden die Anbieter von kompletten Produktions-systemen. Komplettlösungen haben keine fehleranfälligen technischen Schnittstellen. Der Kunde braucht nur einen einzigen Partner, der ihm alles aus einer Hand bietet - nämlich Technologiekonzept, Hardware, Training und Service.

Mit den beiden Akquisitionen zum 01.10.2001 und 01.01.2002 konnten wir den Ausbau unserer Wertschöpfungskette erfolgreich abschließen. Die Firma EMOULD GmbH in Würselen bei Aachen ergänzt uns im Bereich Spritzgußmaschinen („Moulding") für die Herstellung der Trägermedien (Polycarbonat-Scheiben) in der CD- und DVD-Produktion. Durch den Erwerb der niederländischen Optical Measuring-Equipment & Projects BV (OMP) mit Sitz in Best bei Eindhoven wird unser Geschäftsfeld um den Prozessschritt des Mastering, also der ersten Stufe der Disc-Vervielfältigung, erweitert. Nunmehr sind wir in beiden technologisch sensiblen Bereichen unabhängig geworden und haben uns zudem eine zusätzliche Möglichkeit erschlossen, unseren Technologievorsprung auszubauen. Beide Akquisitionen konnten wir zu sehr vernünftigen Konditionen vornehmen, da sich ein guter Teil der künftigen Unternehmenswerte erst aus der Kombination mit dem strategischen Absatzkanal der SINGULUS TECHNOLOGIES ergibt.

Das Ergebnis unserer strategischen Akquisitionen: SINGULUS TECHNOLOGIES ist heute mit deutlichem Abstand der führende, global präsente Komplettanbieter für alle Technologien und Anlagen zur Herstellung von Optical Discs. Und vermutlich der einzige in diesem Markt, der die kritische Masse an Marktanteil ausweist, die eine nachhaltig hohe Ertragsqualität gewährleistet.


3. Bilanz und Gewinnverwendung

Der stetig wachsende Marktanteil von SINGULUS TECHNOLOGIES im Optical Disc Anlagenmarkt sowie die damit verbundene hohe Profitabilität des Geschäftes spiegeln sich auch in 2001 in einer soliden Vermögens- und Kapitalstruktur wieder. Die Bilanzsumme hat sich zum Stichtag 31.12.2001 gegenüber dem Vorjahr von 199,3 Mio. Euro auf 187,7 Mio. Euro reduziert. Die Entwicklung resultiert aus der gezielten Anpassung an das gegenüber 2000 verminderte Geschäftsvolumen.

Aufgrund des hohen Jahresüberschusses von 27,9 Mio. Euro steigt das Eigenkapital des Konzerns von 106,5 Mio. Euro im Vorjahr um 28,9 Mio. Euro bzw. 27,2 % auf 135,4 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote lag mit 72,2 % deutlich über der Vorjahresquote von 53,4 %. Die Eigenkapitalrendite - gemessen als Verhältnis von Gewinn vor Steuern zu Eigenkapital - beträgt 31,3 % (Vorjahr 89 %). Diese Kennzahlen machen die außergewöhnlich solide Vermögens- und Kapitalstruktur des SINGULUS TECHNOLOGIES Konzerns deutlich.

Der Vorschlag zur Gewinnverwendung erfolgt auf Basis des nach deutschem Recht erstellten Einzelabschlusses der SINGULUS TECHNOLOGIES AG. Der Jahresüberschuß in Höhe von 28,9 Mio. Euro wird gem. § 16.3 der Satzung zur Hälfte in "Andere Gewinnrücklagen" eingestellt. Der dann verbleibende Bilanzgewinn in Höhe von 14,5 Mio. Euro soll durch Beschluß der heutigen Hauptversammlung ebenfalls in "Andere Gewinnrücklagen" eingestellt werden.

Das infolge Gewinnthesaurierung angewachsene Eigenkapital steht dem Unternehmen für die ständige Entwicklung neuer Produkte und deren Markteinführung zur Verfügung. Dies ist für uns von großem Wert, weil wir uns in einem Markt von hoher Entwicklungsintensität und technologiegetriebener Wachstumsdynamik bewegen. Erstmalig haben wir auch erhebliche liquide Mittel für den Kauf der Firmen EMOULD und OMP eingesetzt, deren zukünftige Geschäftsausweitung zusätzlichen Finanzbedarf erforderlich machen wird. So müssen wir uns als Marktführer auch weiterhin möglichst hohe finanzielle Freiheitsgrade und Entscheidungsspielräume sichern, um proaktiv handeln zu können.


4. SINGULUS TECHNOLOGIES Aktie

Die SINGULUS TECHNOLOGIES Aktie konnte sich im schwierigen Börsenumfeld des Jahres 2001 gut behaupten. Sie zählt weiterhin zu den bekanntesten Werten im Segment Neuer Markt und genießt unter Analysten anhaltend hohe Aufmerksamkeit und Wertschätzung.

Aber auch die SINGULUS Aktie konnte sich dem negativen Trend der Märkte in 2001 jedoch zwischenzeitlich nicht entziehen. Ihre Tiefststände hat die Aktie bei Tagesendkursen um etwa 15 Euro gesehen. Dies geschah Mitte Januar, Mitte April und Mitte September 2001, wurde aber in allen drei Fällen rasch wieder nach oben korrigiert. Nach einem Wertzuwachs in 1999 in Höhe von
91 % und 2000 in Höhe von 18 % verzeichnet die Aktie für das gesamte Jahr 2001 erstmalig eine Werteinbuße von 12,5 %.

Trotz der negativen Börsenstimmung beweist die SINGULUS Aktie eine hohe Wertbeständigkeit und hat sich am Aktienmarkt im Verhältnis zur Entwicklung der Aktienindizies sehr gut behauptet. Im Vergleich zum Nemax 50-Index, der 2001 um 55 % auf 1150 Punkte sank, ist also die Entwicklung der SINGULUS Aktie beachtlich gut gewesen. In den ersten Monaten des laufenden Jahres bis heute hat sich die SINGULUS Aktie weiterhin deutlich besser als der Nemax 50-Index entwickelt und konnte sich damit von der verhaltenen Börsenstimmung - und speziell auch von den unseriösen Szenarien des Neuen Marktes - ganz klar abkoppeln.

In den jüngsten Wochen lag unser Kurs in einer Bandbreite von 30 - 34 EURO meist höher als am Jahresanfang 2002 mit damals 31,50 Euro. Der Schlußkurs am vergangenen Freitag betrug
31,40 E, war also nahezu identisch mit dem Start 2002. 5. Beschlussfassung über die Aufhebung der bestehenden Genehmigten Kapitalien I und II und die Neuschaffung eines Genehmigten Kapitals I und eines Genehmigten Kapitals II

Die Genehmigten Kapitalien I und II der Gesellschaft sind nach § 5.2 und § 5.3 der Satzung bis zum 30. September 2002 befristet. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung vor, statt dessen zwei neue Genehmigte Kapitalien I und II zu schaffen, durch die der Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrats ermächtigt wird, das Grundkapital der Gesellschaft durch ein- oder mehrmalige Ausgabe von Aktien um insgesamt bis zu 25 % des gegenwärtig eingetragenen Grundkapitals der Gesellschaft zu erhöhen und bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen das Bezugsrecht der Aktionäre auszuschließen. Die weiteren Einzelheiten und Konditionen zur Neuschaffung eines Genehmigten Kapitals I und II haben wir Ihnen in der Einladung zur heutigen Hauptversammlung erläutert.

Die Begründung für unseren Antrag und für die Beschlussfassung möchte der Vorstand wie folgt anfügen:
Die SINGULUS TECHNOLOGIES Aktiengesellschaft steht im globalen Wettbewerb. Sie muß jederzeit in der Lage sein, in den internationalen und regionalen Märkten im Interesse ihrer Aktionäre schnell und flexibel handeln zu können. Dazu gehört es auch, Unternehmen, Unternehmensteile oder sonstige Beteiligungen zur Verbesserung der Wettbewerbsposition zu erwerben. Jüngste Entwicklungen in der internationalen Wirtschaft zeigen, daß beim Erwerb von Unternehmen, Unternehmensteilen oder sonstigen Beteiligungen immer größere Einheiten betroffen sind. Dabei müssen Gegenleistungen gezahlt werden. Diese Gegenleistungen können oft nicht mehr in Geld erbracht werden, ohne die Liquidität des Unternehmens zu gefährden. Sie werden stattdessen zunehmend in Aktien der erwerbenden Gesellschaft gewährt. Die hier vorgeschlagene Ermächtigung soll deshalb der SINGULUS TECHNOLOGIES Aktiengesellschaft die notwendige Flexibilität geben, um künftig sich bietende Gelegenheiten zum Erwerb von Unternehmen, Unternehmensteilen oder sonstigen Beteiligungen schnell und flexibel ausnutzen zu können.


6. Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (Risikobericht)

Unser Unternehmen hat ein Risikomanagement-System installiert, mit welchem wir die Vorschriften des KonTraG umsetzen. Als börsennotierte Gesellschaft haben wir in Zusammenarbeit mit unseren Wirtschaftsprüfern und dem Aufsichtsrat die Instrumente zur Früherkennung von Risiken und unser internes Controlling im vergangenen Geschäftsjahr 2001 überprüft. Dabei konnte festgestellt werden, daß unser Früherkennungssystem hinsichtlich der Instrumente und Maßnahmen über die gesetzlichen Auflagen hinaus im Unternehmen Anwendung findet und geeignet ist, gegebenenfalls bestandsgefährdende Risiken rechtzeitig zu identifizieren. Nach Überzeugung des Vorstands sind weder für das laufende Geschäftsjahr 2002 noch für die folgenden Jahre Risiken erkennbar, welche den Bestand des Unternehmens gefährden könnten.


7. Corporate Governance/Unternehmensführung

Vorstand, Aufsichtsrat und leitende Mitarbeiter von SINGULUS TECHNOLOGIES identifizieren sich mit den Prinzipien und Grundsätzen einer transparenten und verantwortlichen Leitung sowie Kontrolle des Unternehmens. Denn diese dienen zum Erhalt und zur Steigerung des Vertrauens bei Aktionären, Mitarbeitern, Geschäftspartnern und bei der Öffentlichkeit.

In diesem Sinne unterstützen die Organe der Gesellschaft den Deutschen Corporate Governance Kodex, wie er von der Regierungs-Kommission in der Fassung vom Februar 2002 (Cromme-Papier) vorgeschlagen wurde, und sind bereit, diesen bereits heute freiwillig anzuerkennen und zu befolgen.
Mit dieser Selbstverpflichtung wollen wir für SINGULUS TECHNOLOGIES ein bewußt sichtbares Zeichen als Qualitäts-Unternehmen und Qualitäts-Aktie am Neuen Markt der Deutschen Börse Frankfurt setzen. Denn leider ist unser Neuer Markt, der im Frühjahr 1997 sehr hoffnungsvoll gestartet war, durch einige schwarze Schafe erheblich in der Glaubwürdigkeit beschädigt worden, so daß wir im Interesse sowohl der Aktionäre als auch des Unternehmens selbst jetzt mit einem guten Beispiel vorangehen wollen. Wir setzen im übrigen darauf, daß auch weitere Qualitätstitel am Neuen Markt unserem Beispiel folgen und kurzfristig ebenfalls dem Entwurf eines Deutschen Corporate Governance Kodex zustimmen werden.


8. Neue Vergütung des Aufsichtsrates

Seit Umwandlung unserer Firma von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft 1997 erhalten die Mitglieder des Aufsichtsrates eine feste Vergütung von damals 40.000,- DM, das sind heute 20.000,-- EURO. Der Vorsitzende erhält das Doppelte dieser Vergütung und der Stellvertreter das Eineinhalbfache. Diese Beträge blieben seit 5 Jahren unverändert. In dieser Zeit ist jedoch das Unternehmen im Umsatz von 89,3 Mio. EURO auf 225,3 Mio. EURO gewachsen (Faktor 2,5), der Gewinn von 10,3 Mio. EURO auf 27,9 Mio. EURO (Faktor 2,7) und eine kleinere Aktiengesellschaft hat sich zu einem weltweit tätigen Konzern mit Tochtergesellschaften entwickelt.

Eine transparente und verantwortliche Leitung sowie Kontrolle einer Aktiengesellschaft gemäß dem Auftrag der Aktionäre erfordern aktive Aufsichtsräte. Das trifft für junge Wachstumsunternehmen, wie wir eines sind, in ganz besonderem Maße zu. Denn wir kennen keinen „eingeschwungenen Zustand“, in welchem sich ein Aufsichtsrat zurücklehnen könnte. Wie Sie aus der Berichterstattung des Aufsichtsrates, welche im Geschäftsbericht abgedruckt ist, entnehmen können, stehen Vorstand und Aufsichtsrat in einem ständigen Dialog - auch außerhalb der formalen 6 Sitzungen in 2001. Da wir gegenwärtig einen Aufsichtsrat von nur 3 Mitgliedern haben (bei uns müssen noch keine Arbeitnehmervertreter gewählt werden), entfällt natürlich auf jedes der drei Mitglieder ein deutlich größerer Arbeits- und Zeitaufwand als bei anderen Unternehmen, die 6 oder mehr Mitglieder im Aufsichtsrat aufweisen.

Als kreatives Unternehmen haben wir deshalb in der Einladung zur Hauptversammlung ein neues Vergütungsmodell vorgestellt, das sich sowohl aus einem fixen als auch aus einem variablen Bestandteil zusammensetzt. Der variable Anteil rechnet sich nach einer Formel, welche den Gewinn pro Aktie - die Earnings per Shares - berücksichtigt so wie im Grundsatz auch die Tantiemen der Vorstandsmitglieder geregelt sind. Somit ist Interessens-gleichheit zwischen allen Organen der Gesellschaft und vor allem auch mit den Aktionären gegeben, was uns sinnvoll und erstrebenswerter scheint. Und ich unterstelle deshalb, meine Damen und Herren: Auch Sie wünschen einen unabhängigen und hochqualifizierten Aufsichtsrat, der mit Rat und Tat dem Vorstand jederzeit zur Seite steht. Und das, wenn erforderlich, auch kurzfristig oder mehrmals im Monat, so wie es die Sachlage erfordert.
Hiermit möchte ich den ersten Teil meiner Rede abschließen und Ihnen zum besseren Einblick in unsere Welt der Produktions-anlagen für CD und DVD jetzt zusammenfassend einen kleinen Film vorführen.. Dieser soll Ihnen einen Eindruck von Maschinentechnik und Produktionstechnologie geben, wie wir sie vor allem im Jahr 2001 erfolgreich weiterentwickeln konnten.


9. Aufbruch in ein neues Geschäftsfeld

Unser bisheriges Geschäftsfeld der Replikationsanlagen für Optical Discs hat eine begrenzte Dimension. Es wird zwar global in Europa, USA und Asien betrieben, erreicht jedoch jährlich ein Anlagengeschäft von schätzungsweise weltweit lediglich 800 Mio. EURO. Im Vergleich zu anderen Industrien muß man also bei uns von einem Nischen-Markt sprechen. Da der Gesamtmarkt der Replikationsindustrie auch Druckmaschinen und Verpackungsmaschinen umfaßt, die nicht in unserem Programm enthalten sind, ist also der für uns erreichbare Anlagenmarkt noch deutlich kleiner.

In dem für uns relevanten Markt dürften wir weltweit heute einen Anteil von etwa 35 - 40 % erreicht haben, so daß weitere Wachstumsraten in der Zukunft schwieriger zu erreichen sein werden als in der Vergangenheit. Außerdem haben wir gerade im vergangenen Jahr erstmalig beobachten können, wie sich ein Geschäft von bisher kontinuierlichem Wachstum in ein zyklisches Geschäft verändert, welches im Geschäftsvolumen zeitweise auch rückläufig verlaufen kann.

Solange wir für SINGULUS TECHNOLOGIES den Anspruch stellen, ein Wachstumsunternehmen zu sein und unsere Aktie an der Börse als Wachstumswert zu präsentieren, ist also unternehmerischer Handlungsbedarf gegeben, den Blick über den Zaun zu werfen und nach neuen Ufern Ausschau zu halten. Erste Überlegungen zu einer Diversifizierung haben wir deshalb schon seit einiger Zeit durchgeführt und dazu sehr konkrete Suchkriterien definiert:
Wir suchen:
- Aufstrebende Technologien und Märkte
- Wachstumspotentiale
- Systemgeschäfte mit Technologie (im Gegensatz zu Komponenten- und Dienstleistungs-Geschäften)
- ein identisches Business-Modell
- Geschäfte mit globalem Marketing und einem globalen Vertrieb (möglichst unter Verwendung der heutigen Vertriebsorganisation)
- die Nutzung und Übertragung vorhandener technologischer Fähigkeiten vorzugsweise im Rahmen der Dünnschichttechnik (Sputtering-Technologie)
- gute DeckungsbeiträgeWir haben uns jetzt für ein weiteres Geschäftsfeld entschieden, in welchem erneut die Dünnschicht-Technologie, von der wir etwas verstehen, die wichtigste Kernkompetenz darstellt: Es ist die TMR-Tunnel-Magneto-Resistence-Thin-Film-Technology mit der wichtigsten industriellen Anwendung für MRAM-Speicher.

MRAM steht für „Magnetic Random Access Memory“. Dies sind neue Halbleiter-Speichermodule auf Basis von Silizium-Wafern, die mit magnetischen Schichten versehen werden. Die MRAM-Speicher beruhen auf einem ähnlichen physikalischen Effekt wie Festplattenlaufwerke, indem ein Bit (0 oder 1) durch die Ausrichtung miniaturisierter Magnete gespeichert wird. Daher profitiert die Entwicklung von MRAM-Chips auch erheblich von den riesigen Fortschritten, die im letzten Jahrzehnt bei der Festplatten-Technologie gemacht wurden.

Die Fachwelt erwartet, daß MRAM-Speicher in den kommenden Jahren Schritt für Schritt die heute gebräuchlichen DRAM-Speicher bis zu einem Anteil von 50 % ersetzen werden, da sie im Vergleich zu diesen zwei wichtige technische Vorteile bieten:
- MRAM-Speicher verlieren keine Informationen, sobald die Versorgungsspannung abgeschaltet wird
- MRAM-Speicher verbrauchen weniger Strom als DRAMMit diesen beiden herausragenden Merkmalen sind MRAM-Speicher die idealen Bausteine für tragbare Elektronik-Geräte wie Mobiltelefone, Laptops, Palm-Computer etc. mit allen damit verbundenen Wachstumschancen.

Die erforderliche Dünnschicht-Technologie ist sehr anspruchsvoll, da auf dem Silizium-Wafer ein komplettes Schicht-Paket mit bis zu 10 Einzelschichten verschiedener Materialien aufgebaut werden muß. Alle wichtigen Halbleiterfirmen in der Welt befassen sich gegenwärtig mit dieser Entwicklung und rechnen mit einer Markteinführung ab 2004.

Es ist uns gelungen, ein hochqualifiziertes Team von Physikern und Ingenieuren zu gewinnen, die auf diesem Spezialgebiet bereits fundierte Erfahrung aufweisen können. Diese entwickeln gegenwärtig in einer Task Force den Prototyp einer Cluster-Tool-Beschichtungsanlage, der bis Januar 2003 fertiggestellt werden soll. Wir schätzen die Erfolgschancen überdurchschnittlich hoch ein, daß sich sowohl der MRAM-Markt in der Zukunft erfolgreich entwickeln wird als auch SINGULUS mit seinen Experten die technischen und wirtschaftlichen Ziele der Anlagenentwicklung erreichen wird. Unser gesamtes Investment wird für dieses Projekt voraussichtlich 5 Mio. EURO betragen, das wir für die Geschäftsjahre 2002 und 2003 je zur Hälfte budgetiert haben. Und erste Erlöse aus Anlagenverkäufen erwarten wir bereits im kommenden Jahr.

Das wesentliche Risiko dieser Diversifikation liegt für uns wohl in der Frage, wie schnell unser Unternehmen in einer völlig neuen Branche, und dies in der anspruchsvollen Welt der Halbleiter-Industrie, Akzeptanz finden wird, so daß die potentiellen Kunden mit uns in eine Geschäftsverbindung eintreten wollen. Aber dieses bewußte Risiko, das bei jeder Diversifizierung auftritt, wollen wir mit besonderem unternehmerischen Engagement bewältigen.

Die Tunnel-Magneto-Resistance-Dünnschicht-Technologie eröffnet uns jedoch auch noch ein zweites Geschäftspotential: Es ist die nächste Generation von neuen Schreib-Lese-Köpfen für Festplatten-Laufwerke. Denn die Beschichtungstechnik ist identisch mit derjenigen für MRAM, lediglich sind die Durchmesser der Silizium-Wafer bei den Schreib-Lese-Köpfen auf 150 mm begrenzt, während MRAM Silizium-Wafer zur Stunde 200 mm Durchmesser aufweisen und morgen die neue Wafer-Größe von 300 mm erreichen werden. Unser Anlagenkonzept wird also von Anfang an modular darauf ausgerichtet sein, die komplette Wafer-Familie von 150 mm bis 300 mm Durchmesser beschichten zu können.
Es ist unser Vorhaben, für TMR-Schreib-Lese-Köpfe eine F & E - Partnerschaft mit einem weltweit führenden Unternehmen der Branche einzugehen und in den kommenden Wochen vertraglich festzuschreiben. Das bietet erfahrungsgemäß die größten Erfolgschancen für ein Entwicklungsvorhaben, da damit von der ersten Stunde an sowohl die technische Spezifikation als auch die Kostenziele den Markterfordernissen entsprechen.


10. Ausblick in das neue Geschäftsjahr 2002


Die weltweiten Märkte für Optical Disc-Produktionslinien durchliefen wie erwähnt im Jahre 2001 insgesamt eine Phase der Konsolidierung. Allerdings wurde gegen Jahresende erneut eine Aufbruchstimmung bei unseren Kunden in Europa und USA sichtbar, die durch ein starkes DVD-Weihnachtsgeschäft ausgelöst wurde. DVD-Player und DVD-Video entwickelten sich zu Bestsellern, und in USA wurden in wenigen Wochen 1,5 Mill. XBOX Spielkonsolen mit DVD-ROM durch MICROSOFT erstmalig in den Markt eingeführt. In Europa war dafür der Verkaufsstart im März 2002.

Diese neue Aufbruchstimmung übertrug sich auch auf das erste Quartal 2002: Unsere Kunden erteilten in nur wenigen Wochen umfangreiche Aufträge für neue DVD-Linien, die zahlenmäßig deutlich über Vorjahr liegen. Dazu mußte unsere Produktion wieder gesteigert werden, um den von unseren Kunden gewünschten Lieferterminen nachkommen zu können. Vor allem übertrifft die Nachfrage aus USA derzeit unsere bisherigen Planungen und Erwartungen.

Weitere Impulse zu neuem Geschäft bietet auch die Nachfrage nach Replikationslinien für die recordable DVD. Die Kunden investieren weltweit in erste Pilotanlagen, um sich mit der gegenüber CD-R veränderten und schwierigeren Prozeßtechnik vertraut zu machen. Die Erwartung ist groß, daß sich daraus bald ein Massenmarkt entwickeln wird, da die DVD-R ein preisgünstiges Format für digitales home video recording darstellt. Dieses Produkt wird auch für die Konsumenten in Asien, die heute VHS-Recorder nur in geringer Anzahl kennen und nutzen, besonders attraktiv sein.

Ebenfalls werden in diesem Jahr vermehrt Pilotinstallationen zur Produktion der mehrfach wiederbeschreibbaren DVD erwartet, also nicht nur MODULUS-Metallizer wie 2001. Erfreulicherweise liegen die ersten Aufträge für Komplettlinien von europäischen Kunden bereits vor. Die Nachfrage aus Asien wird vermutlich nicht lange auf sich warten lassen, da sich dort die größten Hersteller für recordable CD und DVD befinden, die sich auch bei den mehrfach wiederbeschreibbaren DVD künftig stark engagieren werden.

Lediglich die Lage beim Verkauf von CD und CD-ROM Anlagen für 2002 bleibt derzeit etwas ungewiß und wird in erster Linie von der Nachfrage aus Asien - und dort von China - abhängen. Der Beitritt Chinas zur WTO kann in diesem Zusammenhang sicherlich als positives Signal gewertet werden, wobei von besonderem Interesse sein wird, inwieweit auch ausländisches Kapital - speziell aus Taiwan - für Investitionen in China bereitgestellt werden kann.

Insgesamt sind wir optimistisch, daß SINGULUS TECHNOLOGIES die bisherige Marktposition nicht nur verteidigen, sondern auch weiter ausbauen wird. Wie in der Vergangenheit, so sollen auch in 2002 neue Produkte in den Markt eingeführt werden, die unsere unverändert starke Innovationskraft belegen und den höchsten Maßstäben für Kundennutzen genügen. Nach einem Jahr der Konsolidierung sind die Unternehmensziele insgesamt wieder darauf ausgerichtet, erneut zu wachsen und zu expandieren. So gehen wir davon aus, in diesem Geschäftsjahr 2002 sowohl Umsatz als auch Gewinn bis zu 20 % gegenüber dem Vorjahr steigern zu können.


11. Neues Logo für den SINGULUS TECHNOLOGIES - Konzern


Seit Firmengründung im Jahr 1995 besitzen wir ein Firmen-Logo, das zusammen mit unserem Namen weltweit bekannt geworden ist. Im Logo ist in abstrahierter Form eine Optical Disc erkennbar, die unser bisheriges Geschäftsfeld symbolisch darstellte.

Durch unsere Akquisitionen von SINGULUS EMOULD und SINGULUS OMP entstand die Notwendigkeit und Möglichkeit, eine einheitliche Corporate Identity mit einheitlichem Corporate Design zu schaffen. Denn beide Firmen hatten - wie auch wir - ihre eigenen Logos und optischen Identitäten. Und da wir uns gleichzeitig mit entscheidenden Programmerweiterungen auch außerhalb der Optical Discs beschäftigten, wie ich jetzt gerade im einzelnen erläutert hatte, haben wir uns entschlossen, das bisherige Logo zu verlassen und eine neue Gestaltung zu wählen, die auch für die Zukunft noch jederzeit erweiterungsfähig ist. Der Name SINGULUS TECHNOLOGIES bleibt jedoch unverändert.

Sie sehen hier die neuen Logos für das Stammhaus und für die Tochtergesellschaften. Das neue Logo steht erstmalig auch auf unserem jüngsten Geschäftsbericht 2001 und wir hoffen sehr, daß es Ihnen ähnlich zusagt wie das bisherige Logo. Bekanntlich ist das wirtschaftliche Leben von ständigen Veränderungen gekennzeichnet - so bleibt auch bei uns weiterhin alles in Bewegung und im Fluß.



(Es gilt das gesprochene Wort)